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GIT & CI/CD · TOOL-VERGLEICH

Git-Hosting und CI/CD im Vergleich: Gitea, GitLab, Forgejo, GitHub, Drone, Woodpecker, Jenkins, Act, ArgoCD

Neun ernsthafte Werkzeuge für Code-Hosting, Pipelines und GitOps. Self-host vs Cloud, Lernkurve, KMU-Tauglichkeit. Stand Mai 2026.

Recherche & Faktencheck: · Stand: 2026-05

Worum geht es?

Git-Hosting und CI/CD sind die zwei Säulen jeder modernen Software-Lieferkette. Git-Hosting verwaltet den Quellcode, Issues, Pull-Requests und Releases. CI/CD (Continuous Integration / Continuous Delivery) baut, testet und deployt den Code automatisch bei jedem Commit. Früher waren das getrennte Welten – heute kommt das CI-System meist mit dem Git-Hoster im Paket.

Für ein Schweizer KMU ist die Werkzeugwahl wichtiger als sie scheint: Sie entscheidet über Datenort (Code als Geschäftsgeheimnis), monatliche Kosten, Lernkurve für Entwickler und die Frage, ob ein einzelner Entwickler oder ein 20-koepfiges Team das System sinnvoll betreiben kann. Im Mai 2026 sind die Karten neu gemischt: Gitea und Forgejo haben sich als ernsthafte Selfhost-Alternativen zu GitHub etabliert, Woodpecker hat Drone als Community-Liebling abgelöst, und ArgoCD ist Standard für Kubernetes-Deployments geworden.

Die neun in diesem Vergleich behandelten Werkzeuge decken vier Rollen ab: Git-Hoster (Gitea, GitLab, Forgejo, GitHub), CI-Engine (Drone, Woodpecker, Jenkins), lokaler Test-Runner (Act) und GitOps-Deployer (ArgoCD). Nicht alle sind direkt vergleichbar – aber alle gehören in den Entscheidungsbaum eines KMU, das seine Lieferkette ernst nimmt.

Warum es wichtig ist

Drei Achsen entscheiden über die richtige Wahl: Datenort, Pipeline-Komplexität und Bedien-Aufwand. Die falsche Werkzeugkette kostet Monate – entweder durch Migration später oder durch Reibung im Alltag.

Datenort: Quellcode ist Geschäftsgeheimnis. Wer Mandanten-Software, internes Tooling oder proprietäre Algorithmen entwickelt, sollte den Code nicht ohne weiteres auf einem US-Server ablegen. GitHub gehört Microsoft, die Server stehen in den USA. Für Schweizer Treuhand- und Anwaltsbüros, die unter Berufsgeheimnis (StGB Art. 321) arbeiten, ist Self-Hosting auf Hetzner Falkenstein oder Helsinki die saubere Lösung – Gitea, Forgejo und GitLab Community Edition sind die drei realistischen Optionen.

Pipeline-Komplexität: Eine Pipeline kann sehr einfach sein (Tests laufen lassen, Docker-Image bauen, auf Server kopieren) oder sehr komplex (Multi-Stage, Matrix-Builds, Approval-Gates, Secrets-Rotation, Multi-Cloud-Deployment). Drone, Woodpecker und Gitea Actions reichen für 90 Prozent der KMU-Fälle. Jenkins ist die Schwergewichts-Lösung mit hunderten Plugins – gerechtfertigt nur bei sehr komplexen Pipelines oder bestehendem Jenkins-Know-how.

Bedien-Aufwand: Self-Hosting bedeutet Updates, Backups, Sicherheits-Patches. Gitea und Forgejo sind die genügsamsten: ein Binary, eine SQLite-Datenbank, fertig. GitLab ist das schwerste Self-Host-Paket – die offizielle Omnibus-Installation belegt 4 GB RAM im Leerlauf. Jenkins braucht Java und einen Server mit ausreichend RAM für Build-Agents. Wer ohne dedizierte DevOps-Person arbeitet, sollte bei Gitea oder Forgejo bleiben.

Die neun Werkzeuge im Detail

Gitea (MIT, Go, self-host + Gitea Cloud): das leichtgewichtige GitHub-Klon. Ein einziges Binary, läuft auf einem 1-vCPU-Server, integrierte Gitea Actions seit 2023 (GitHub-Actions-kompatible YAML). Mai 2026: Version 1.22, sehr aktive Community, KMU-Liebling für Self-Hosting. Issues, PRs, Releases, Container-Registry, Pakete (npm, pypi, maven). Unsere Standard-Empfehlung für Schweizer KMU.

GitLab (MIT-Community + EE-Proprietary, Ruby/Go, self-host + Cloud): die Vollausstattung. Code, CI/CD, Container-Registry, Issue-Boards, Wiki, Security-Scanning, alles in einem. Community Edition deckt das meiste ab; Enterprise Edition kostet ab USD 29 pro User und Monat. Schwer im Betrieb (Omnibus-Image, Postgres, Redis, NGINX, Sidekiq). Sinnvoll für Teams ab 15 Entwicklern oder Compliance-getriebene Setups.

Forgejo (MIT, Go, self-host): der Codeberg-Fork von Gitea, entstanden Ende 2022 nach Lizenz-Streit. Funktional fast identisch zu Gitea, aber strikter OSS-purist (keine kommerzielle Cloud-Variante, keine proprietären Module). Mai 2026: Forgejo Actions kompatibel zu Gitea Actions und damit zu GitHub Actions. Wahl für Teams, denen die Governance bei Gitea (jetzt Gitea Ltd.) nicht passt.

GitHub (Proprietary, Microsoft, USA): der De-facto-Standard für OSS. GitHub Actions als CI/CD ist ausgereift und liefert ein riesiges Marketplace-Ecosystem an vorgefertigten Actions. Free-Tier reicht für kleine Projekte; Team-Plan ab USD 4 pro User und Monat. Daten in den USA, für streng-vertraulichen Code ungeeignet. Erste Wahl für Open-Source-Projekte und Teams ohne CH-Residenz-Anforderung.

Drone CI (Apache 2.0, Go, self-host + Drone Cloud): Container-natives CI. Jeder Build-Schritt läuft in einem Docker-Container, Pipelines werden in einer einfachen YAML beschrieben. Drone war Pionier, ist Mai 2026 aber weniger aktiv – Harness (der Eigentümer) fokussiert die kommerzielle Plattform. Funktional solide, aber Community-Momentum liegt bei Woodpecker.

Woodpecker CI (Apache 2.0, Go, self-host): Community-Fork von Drone aus 2019, mittlerweile eigenständige Lösung. Sehr aktiv Mai 2026 (Release 3.x), Drone-Pipelines fast 1:1 kompatibel. Standard-CI für Gitea/Forgejo-Setups, weil keine proprietären Klauseln. Ressourcen-genügsam, klare Doku.

Jenkins (MIT, Java, self-host): der Veteran, seit 2011 unter dem Namen Jenkins (vorher Hudson). Mai 2026 immer noch weit verbreitet, vor allem in Enterprise-Umgebungen. Sehr mächtig durch über 1800 Plugins, aber Konfiguration über Jenkinsfile (Groovy) ist eine eigene Welt. Hohe Lernkurve, ressourcen-hungrig, alt-schoolige Bedienung. Nur sinnvoll, wenn das Team Jenkins-Know-how hat oder sehr komplexe Pipelines unterhalten muss.

Act (MIT, Go, CLI): kein CI-Server, sondern ein lokaler Test-Runner für GitHub-Actions-Workflows. Entwickler laden ihre .github/workflows lokal mit Docker und sehen das Resultat, bevor sie pushen. Spart Pipeline-Minuten und beschleunigt das Debugging. Mai 2026: Version 0.2.x, sehr stabil, in jedem KMU-Entwickler-Toolkit sinnvoll.

ArgoCD (Apache 2.0, Go, self-host auf Kubernetes): kein CI, sondern GitOps-Deployer. ArgoCD beobachtet ein Git-Repository mit Kubernetes-Manifesten und gleicht den Cluster-Zustand automatisch ab – Drift wird sichtbar und reparierbar. Standard im Kubernetes-Ökosystem, überzogen ohne Kubernetes. Mai 2026: Version 2.13, sehr aktive CNCF-Foundation.

Auswahl-Workflow in 6 Schritten

  1. 01Code-Vertraulichkeit prüfen: Mandantencode oder Berufsgeheimnis? Wenn ja, GitHub raus, Self-Host auf CH/EU-Server (Hetzner Falkenstein/Helsinki).
  2. 02Teamgrösse schätzen: 1-5 Entwickler -> Gitea/Forgejo. 5-20 -> Gitea+Woodpecker oder GitLab CE. >20 -> GitLab EE oder GitHub Enterprise.
  3. 03Pipeline-Komplexität bewerten: einfach (Build+Test+Deploy) -> integrierte Actions. Komplex (Matrix, Multi-Stage, Approvals) -> Jenkins oder GitLab CI.
  4. 04Container-Workflow vorhanden? Wenn ja, Drone/Woodpecker passen perfekt. Wenn nein, integrierte Runner reichen.
  5. 05Kubernetes im Einsatz? Wenn ja, ArgoCD oben drauf einplanen – Deployments via Git statt kubectl.
  6. 06PoC aufsetzen: ein echtes Projekt 2 Wochen lang in der neuen Toolchain laufen lassen, Reibung messen (Build-Zeit, Fehlerquote, Doku-Verfügbarkeit) und erst dann Vollmigration.

Empfehlung je Anwendungsfall

Solo-Entwickler oder Kleinteam (1-5 Personen), Code soll in der CH bleiben: Gitea oder Forgejo auf Hetzner. Eingebaute Actions reichen für typische Pipelines (Tests, Build, Deploy). Setup-Aufwand: ein halber Tag. Kosten: rund CHF 6 pro Monat (CX22-Instanz). Funktional auf dem Niveau von kostenpflichtigen GitHub-Team-Plänen.

Mittleres Team (5-20 Personen), Compliance wichtig, Budget vorhanden: GitLab Community Edition self-host, mit integrierter CI. Alles in einem Paket: Code, Issues, CI/CD, Container-Registry, Wiki. Setup ein Tag, monatlicher Pflegeaufwand 2-4 Stunden. CHF 25-40 pro Monat für die Hardware (4 vCPU, 8 GB RAM).

OSS-Projekt oder kein Compliance-Druck: GitHub mit GitHub Actions. Schnellste Inbetriebnahme, grösstes Action-Marketplace, beste Community. Free-Tier reicht für die meisten Fälle. Bei einer ernsthaften Produktiv-Pipeline: Team-Plan USD 4/User.

Komplexe Multi-Cloud-Pipelines, Jenkins-Know-how vorhanden: Jenkins mit eigenen Build-Agents. Lohnt sich nur, wenn Sie schon Jenkinsfiles haben oder spezifische Plugins brauchen, die anderswo fehlen.

Kubernetes-Deployments: ArgoCD oben drauf. Funktioniert mit jedem Git-Hoster (Gitea, GitLab, GitHub). Standard für Cluster ab 3-5 Apps mit häufigen Deployments.

Lokales Testen von Actions vor dem Push: Act CLI. Spart Pipeline-Minuten, beschleunigt Iterationen. Kostet nichts, Setup 5 Minuten.

Wann diese Werkzeuge falsch sind

Für ein einzelnes Skript, das einmal pro Quartal läuft, ist eine ganze CI-Pipeline überzogen – ein einfacher Cron-Job auf dem Zielserver tut es. Für einen Solo-Entwickler ohne Compliance-Bedarf ist Self-Hosting von GitLab betriebswirtschaftlicher Unsinn – GitHub Free oder Gitea Cloud reichen.

Wenn Sie keinen Container-Workflow haben (alles läuft direkt auf einem VPS, kein Docker, kein Kubernetes), ist ArgoCD funktionslos. Auch Drone und Woodpecker (beide container-nativ) bringen wenig – eine klassische Shell-Pipeline über SSH ist einfacher.

Jenkins ist die falsche Wahl, wenn Ihr Team unter 5 Entwicklern bleibt und keine Jenkins-Erfahrung mitbringt. Die Lernkurve und der Pflegeaufwand sind dann disproportional zum Nutzen – Gitea Actions oder Woodpecker liefern 80 Prozent der Funktionalität bei 20 Prozent des Aufwands.

GitHub ist die falsche Wahl für Code, der unter Berufsgeheimnis (StGB Art. 321) fällt oder für den ein Data-Transfer-Impact-Assessment in die USA nicht durchgeführt wurde. Auch der Enterprise-Tarif mit "Data Residency" hilft hier nur eingeschränkt – der Mutterkonzern bleibt US-Person und unterliegt US-Subpoena-Recht.

Vor- und Nachteile

STÄRKEN

  • Gitea/Forgejo: leichtgewichtig, KMU-tauglich, CH-Datenort einfach
  • GitLab: alles in einem Paket, gut für Compliance-Setups
  • GitHub: grösstes Ecosystem, beste OSS-Anbindung
  • Woodpecker: container-nativ, sehr aktive Community Mai 2026
  • ArgoCD: GitOps-Standard für Kubernetes, sehr stabil

SCHWÄCHEN

  • GitHub: Daten in den USA, ungeeignet für Berufsgeheimnis-Code
  • GitLab Omnibus: ressourcen-hungrig, 4 GB RAM im Leerlauf
  • Jenkins: Lernkurve hoch, Groovy-DSL, Plugin-Wildwuchs
  • Drone CI: Community-Momentum verloren, Woodpecker bevorzugen
  • ArgoCD: nur sinnvoll mit Kubernetes

Häufige Fragen

Ist Gitea für Produktiv-Code in der Schweiz wirklich genug?

Ja, für KMU bis ungefähr 20 Entwickler ohne Frage. Gitea 1.22 (Mai 2026) deckt Issues, PRs, Code-Reviews, Container-Registry, Pakete und Actions ab. Wir betreiben mehrere Treuhand- und Anwalts-Mandanten auf Gitea, alle auf Hetzner. Limit: bei Multi-Repo-Pipelines mit komplexen Abhängigkeiten oder bei sehr grossen Monorepos (>5 GB) wird GitLab CE sinnvoller.

Gitea oder Forgejo – was wählen?

Funktional fast gleich. Gitea hat ein grösseres Ecosystem, schnelle Releases und kommerzielle Optionen über Gitea Ltd. Forgejo ist strenger OSS, Governance liegt bei der Codeberg-Stiftung. Wer pragmatisch ist und keine Lizenz-Religion betreibt: Gitea. Wer Wert auf Community-Governance legt: Forgejo. Beide sind kompatibel zu Gitea Actions und damit zu GitHub Actions.

Lohnt sich Jenkins 2026 überhaupt noch?

Selten neu eingeführt, aber häufig im Bestand. Wer aus historischen Gründen Jenkins betreibt, hat oft hunderte Jenkinsfiles, die nicht ohne weiteres migrierbar sind. Für Neueinführungen ist Jenkins nur sinnvoll bei sehr spezifischen Plugin-Anforderungen oder bei Teams mit tiefem Jenkins-Know-how. Standard-Empfehlung 2026: Gitea Actions, Woodpecker oder GitLab CI.

Brauche ich ArgoCD wenn ich Docker Compose nutze?

Nein. ArgoCD ist eine Kubernetes-Lösung. Mit Docker Compose reicht ein simples Skript über SSH (rsync + docker compose pull + restart) oder ein Webhook-Push aus der Pipeline. ArgoCD lohnt erst ab 3-5 Apps in einem Kubernetes-Cluster mit häufigen Deployments – vorher ist GitOps Overhead ohne klaren Nutzen.

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Quellen

  1. Gitea Documentation – Actions and self-hosting · 2026-05
  2. Forgejo – Codeberg-driven Gitea fork · 2026-04
  3. GitLab Reference Architectures and CE/EE comparison · 2026-04
  4. GitHub Actions Documentation · 2026-05
  5. Woodpecker CI Documentation · 2026-05
  6. ArgoCD Documentation – CNCF graduated project · 2026-04

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