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EXOSCALE · TECH

Exoscale: CH-Cloud aus Zürich und Lausanne, ISO 27001, A100-GPU verfügbar, FINMA-tauglich

Exoscale betreibt Cloud-Regionen in Zürich, Lausanne, Wien, Frankfurt und Sofia. ISO 27001, AVV/DPA verfügbar, GPU-Workloads mit A100 in CH-Region.

Recherche & Faktencheck: · Stand: 2026-05

Was ist Exoscale?

Exoscale ist eine 2011 in Lausanne gegründete Schweizer Cloud-Plattform, die bis 2017 unter A1 Telekom Austria gehörte und 2023 von Akamai übernommen wurde. Trotz Akamai-Mutter (US-Konzern) bleibt die operative Einheit als Schweizer AG mit Sitz in Lausanne registriert, das Personal sitzt überwiegend in der Schweiz, die Rechenzentren in Zürich und Lausanne bleiben unter Schweizer Recht. Stand Mai 2026 ist Exoscale eine der wenigen Cloud-Plattformen mit garantierter CH-Datenresidenz und gleichzeitig ernsthafter API-, Kubernetes- und Managed-Database-Funktionalität.

Fünf Regionen: ch-gva-2 (Genf), ch-dk-2 (Zürich), at-vie-1 (Wien), de-fra-1 (Frankfurt), bg-sof-1 (Sofia). Die zwei Schweizer Regionen sind die Schlüssel-Punkte für revDSG- und FINMA-Mandate. Wer einen Workload in Zürich anlegt, behält die Daten dort – Exoscale repliziert nicht automatisch zwischen Regionen, das ist eine explizite Konfigurationsentscheidung des Kunden.

Das Produkt teilt sich in mehrere Bausteine. Compute (Instances): virtuelle Maschinen ab CHF 5/Monat für Tiny (1 vCPU, 1 GB RAM, 10 GB SSD) bis zu sehr grossen Konfigurationen mit 256 GB RAM. SKS (Scalable Kubernetes Service) als Managed Kubernetes mit Master-Pflege durch Exoscale, Worker-Nodes als Standard-Instances. DBaaS (PostgreSQL, MySQL, Redis, Kafka, OpenSearch, Valkey) als Managed Database mit Backup und automatischem Failover. Object Storage (S3-API-kompatibel) ab CHF 0.02/GB/Monat. Block Storage als persistenter Datenspeicher. Private Networks für Multi-VM-Setups. Mai 2026 sind GPU-Instances mit NVIDIA A100 in den Schweizer Regionen verfügbar – ein Schritt, mit dem Exoscale gegen RunPod oder Lambda Labs antritt, aber mit garantierter CH-Datenresidenz.

Die Plattform ist API-first aufgebaut. Es gibt eine offizielle CLI, einen Terraform-Provider, ein Python-SDK und Go-SDK, ausserdem Cloud-Init-Unterstützung und eine REST-API mit OpenAPI-Spec. Wer Infrastructure-as-Code betreibt, ist hier zu Hause.

Warum es wichtig ist

Exoscale löst drei Probleme gleichzeitig, die in der Praxis von CH-FINMA- und CH-Treuhand-Mandaten zentral sind: garantierte CH-Datenresidenz mit API-Komfort eines modernen Cloud-Providers, Managed-Services-Tiefe ohne Hyperscaler-Vertragsdschungel, und GPU-Workloads ohne Drittlandtransfer.

CH-Datenresidenz mit Cloud-Komfort: AWS, Azure und Google Cloud bieten zwar Zürich-Regionen, sind aber rechtlich US-Konzerne unter CLOUD Act. Hetzner und OVHcloud sind EU-Anbieter, aber nicht CH. Infomaniak ist CH, aber mit eingeschränktem GPU-Angebot und schmalerer API-Tiefe. Exoscale schliesst die Lücke: CH-Region, CH-Vertragspartner, Kubernetes-Service, Managed PostgreSQL, A100-GPU.

Mutterkonzern-Frage: Akamai ist eine US-Aktiengesellschaft. Der Kaufvertrag mit Exoscale geht über die Schweizer AG, die Daten liegen in der Schweiz, das Personal sitzt in der Schweiz. Eine US-Subpoena kann den Schweizer Vertragspartner nicht direkt zur Datenherausgabe zwingen – sie müsste den Weg über das Bundesamt für Justiz nehmen und ein Schweizer Gericht überzeugen. Trotzdem ist in einem Transfer Impact Assessment der US-Mutterkonzern als theoretischer Zugriffspunkt zu adressieren. Für Standard-Treuhand reicht das in der Regel; für Banken-Mandate mit FINMA-Aufsicht ist die Antwort oft Swisscom Cloud oder Safe Swiss Cloud – aber Exoscale kann mit zusätzlichen technischen Massnahmen (KMS-managed Verschlüsselung, Bring-your-own-Key) den Sachverhalt heilen.

GPU-Verfügbarkeit: NVIDIA A100 ist Mai 2026 in den Schweizer Exoscale-Regionen verfügbar. Das ist ein Differenzierer gegenüber Infomaniak (GPU im Aufbau) und Safe Swiss Cloud (keine GPU). Wer eine Open-Weight-LLM-Inferenz mit CH-Compliance braucht – etwa für Mandanten unter Berufsgeheimnis – findet hier eine arbeitsfähige Architektur, ohne in die US-GPU-Cloud auszuweichen.

FINMA-Tauglichkeit: Exoscale hat ISO 27001 und ein FINMA-Outsourcing-Compliance-Profil dokumentiert. Für FINMA-Outsourcing-Meldungen reicht das ISO-27001-Zertifikat plus der Vertragspartner-Nachweis in den meisten Fällen. Für hoch-regulierte Mandate (TBTF-Banken, grosse Versicherer) bleibt Swisscom Cloud der natürliche Partner.

Wie es funktioniert

Bestellung: über das Portal portal.exoscale.com. Konto-Anlage mit Schweizer Mehrwertsteuer-Logik, Bezahlung per Kreditkarte oder Banktransfer (CHF/EUR). Compute-Instance-Provisionierung typisch in 30-60 Sekunden, Kubernetes-Cluster in 5-10 Minuten, Managed PostgreSQL in 5-10 Minuten. SSH-Zugang per Public Key, Cloud-Init wird unterstützt für automatisiertes Hardening.

Beispiel-Preise Mai 2026: Standard-Instance Large (4 vCPU, 8 GB RAM, 100 GB SSD) in ch-dk-2: CHF 47/Monat. Instance XLarge (8 vCPU, 32 GB RAM, 200 GB SSD): CHF 165/Monat. GPU-Instance mit NVIDIA A100-40GB in der Schweiz: CHF 2.50/Stunde (Listenpreis Mai 2026), entspricht ca. CHF 1.800/Monat bei Dauerlaufzeit. Managed PostgreSQL Hobbyist mit 25 GB Storage: CHF 49/Monat. Object Storage 1 TB in ch-dk-2: CHF 20/Monat. Egress-Traffic 1 TB/Monat inklusive, danach CHF 0.04/GB.

Kubernetes (SKS): Master-Pflege durch Exoscale inklusive, Worker-Nodes werden als Standard-Instances abgerechnet. Ein Standard-Cluster mit 3 Worker-Nodes (Medium-Instance) kostet ungefähr CHF 100/Monat. Upgrade auf neue Kubernetes-Versionen ist nicht-disruptiv, Backup und Logs werden automatisch verwaltet.

Netzwerk: jede Instance hat eine öffentliche IPv4 und IPv6. Private Networks können über Regionen hinweg konfiguriert werden, wobei die Daten dabei die Region verlassen – eine bewusste Architektur-Entscheidung des Kunden. Firewall-Regeln werden über Security Groups verwaltet, Load Balancer als Network Load Balancer mit Layer-4-Routing.

Storage: Block Storage als persistenter Datenspeicher (CHF 0.05/GB/Monat), Object Storage als S3-kompatibler Bucket (CHF 0.02/GB/Monat), Snapshots werden täglich automatisch erstellt und kosten CHF 0.01/GB/Monat. Backup auf Object Storage in anderer Region ist eine gängige Architektur für Disaster Recovery.

Vertragsdetails: alle Verträge laufen unter Schweizer Recht, Gerichtsstand Lausanne. AVV/DPA wird im Kundenbereich erstellt, signiert und im Compliance-Dossier abgelegt. Akamai-Mutter wird in der TIA-Dokumentation adressiert, technische Massnahmen (KMS, Bring-Your-Own-Key) zusätzlich verfügbar.

Umzug: Standard-Migrations-Pfad ist Terraform-Skript oder Kubernetes-Manifeste neu deployen, dann Daten über Object-Storage-Replikation kopieren. Für eine 10-VM-Migration aus AWS oder Hetzner typisch 1-3 Tage.

Exoscale-Setup für CH-KI-Stack in 5 Schritten

  1. 01Konto unter portal.exoscale.com anlegen, Schweizer Firmenangaben mit UID hinterlegen, AVV im Compliance-Bereich generieren und unterzeichnen.
  2. 02Region ch-dk-2 (Zürich) oder ch-gva-2 (Genf) wählen, Instance-Sizing festlegen – Large für CPU-Workloads, GPU-A100 für Inferenz.
  3. 03Terraform-Projekt aufsetzen, Compute-Instances, SKS-Cluster und Managed-Postgres-Datenbank als Code definieren, GitOps-Repo anlegen.
  4. 04Erstes Hardening: Cloud-Init mit SSH-Keys, ufw, CrowdSec, unprivileged sudo-Benutzer, automatische Sicherheitsupdates.
  5. 05Docker-Compose oder Helm-Charts ausrollen: n8n, Qdrant, Postgres als Managed-DB, optional Apertus-API oder Llama-3-Inferenz auf der A100.

Wann Exoscale einsetzen

Exoscale ist die richtige Wahl, wenn (a) CH-Datenresidenz Pflicht ist, (b) gleichzeitig Managed-Services-Tiefe gebraucht wird (Kubernetes, Postgres, Object Storage in einer Plattform), oder (c) GPU-Workloads in der Schweiz nötig sind. Konkrete Fälle: CH-Treuhand mit RAG-Pipeline (Postgres + Qdrant + Apertus-Inferenz auf A100) in einer Plattform. CH-Versicherung mit Kubernetes-basiertem Backend und Datenbank-Service. Fintech-Startup mit CH-AG, das schnelles API-Provisioning braucht.

Auch für Multi-Region-Setups mit CH-Primary und EU-DR eignet sich Exoscale gut. Primary in ch-dk-2, Disaster Recovery in at-vie-1 oder de-fra-1, Replikation über Object Storage. Die Egress-Kosten zwischen Exoscale-Regionen sind kalkulierbar.

Für Infrastructure-as-Code-Teams ist Exoscale ein Sweet Spot. Terraform-Provider ist aktiv gepflegt, API stabil seit Jahren, Webhooks für Cloud-Events vorhanden. Wer GitOps mit ArgoCD oder Flux betreibt, kommt mit SKS gut zurecht.

Wann NICHT

Wer höchste FINMA-Stufe braucht (TBTF-Bank, grosse Versicherung, regulierter Vermögensverwalter mit Retail-Mandanten), ist bei Swisscom Cloud oder Safe Swiss Cloud besser aufgehoben. Exoscale ist FINMA-tauglich für mittlere Mandate, aber Swisscom hat den grösseren regulatorischen Apparat und die Banken-spezifische Compliance-Pakete (PCI-DSS, FINMA RS 18/03).

Wer Budget-Disziplin über alles stellt und keine CH-Residenz-Pflicht hat, fahrt mit Hetzner oder OVHcloud günstiger. Exoscale ist Faktor 3-5 teurer als Hetzner bei vergleichbarer Konfiguration, und Faktor 1.5-2 teurer als OVHcloud.

Für multi-GPU Training-Jobs (8x A100 für mehrere Tage) ist Exoscale Mai 2026 nicht das optimale Setup. RunPod EU-Sweden oder Lambda Labs USA haben grössere GPU-Pools und niedrigere Stunden-Preise. Exoscale-A100 ist passend für Inferenz und einzelne Finetune-Jobs, nicht für grosse Training-Runs.

Generelle Vorsicht: die Akamai-Mutter muss in jeder TIA dokumentiert werden. Für den Standard-Treuhand-Mandanten ist das ein 1-2-Seiten-Dokument, für einen besonders sensitiven Mandanten kann das ein Auswahl-Faktor gegen Exoscale sein – dann ist Infomaniak oder Safe Swiss Cloud sauberer.

Vor- und Nachteile

STÄRKEN

  • Garantierte CH-Datenresidenz in zwei Regionen (Zürich, Genf), Schweizer AG als Vertragspartner
  • Managed-Services-Tiefe (Kubernetes, Postgres, S3) ohne Hyperscaler-Vertragsdschungel
  • NVIDIA A100-GPU in CH-Region verfügbar – Inferenz ohne Drittlandtransfer
  • API-first mit Terraform-Provider, stabilem SDK und OpenAPI-Spec

SCHWÄCHEN

  • Akamai (US) als Mutterkonzern – TIA-Dokumentation erforderlich
  • Faktor 3-5 teurer als Hetzner bei vergleichbarer Konfiguration
  • Multi-GPU-Training nicht im Fokus, für 8x A100-Cluster lieber RunPod oder Lambda
  • Für TBTF-Banken oder grosse Versicherer ist Swisscom Cloud regulatorisch sauberer

Häufige Fragen

Wie wirkt sich die Akamai-Übernahme auf CH-Compliance aus?

Operativ ändert sich wenig – die Schweizer AG bleibt Vertragspartner, das Personal sitzt in der Schweiz, die Rechenzentren in Zürich und Genf liegen unter Schweizer Recht. Eine US-Subpoena erreicht den Schweizer Vertragspartner nicht direkt. In der Drittlandtransfer-Impact-Assessment muss aber der US-Mutterkonzern als theoretischer Zugriffspunkt adressiert werden. Für Standard-Treuhand reicht das in einer 1-2-Seiten-Dokumentation; für hoch-sensitive Mandate (Berufsgeheimnis Art. 321 StGB) ist Infomaniak oder Safe Swiss Cloud sauberer.

Ist Exoscale FINMA-tauglich?

Ja, für mittlere Mandate mit FINMA-Outsourcing-Anforderungen. Exoscale dokumentiert seinen FINMA-Outsourcing-Compliance-Pfad mit ISO 27001, AVV nach revDSG, und Schweizer Recht. Für hoch-regulierte Mandate (TBTF-Bank, grosse Versicherung) ist Swisscom Cloud mit explizit FINMA-zertifiziertem Setup passender. Vor einer Vertragsunterzeichnung mit dem FINMA-Outsourcing-Compliance-Officer abklären.

Was kostet ein produktiver KI-Stack auf Exoscale?

Compute-Instance Large (4 vCPU, 8 GB RAM, 100 GB SSD): CHF 47/Monat. Managed PostgreSQL Startup: CHF 95/Monat. Object Storage 500 GB: CHF 10/Monat. SKS-Cluster mit 3 Worker-Nodes Medium: CHF 100/Monat. Optional A100-GPU-Instance (nur bei Bedarf): CHF 2.50/Stunde. Zusammen ohne GPU rund CHF 250-300/Monat für den Hosting-Layer einer 10-Personen-Treuhandfirma mit CH-Residenz. Mit zeitweiser A100-Nutzung (50 Stunden/Monat) plus CHF 125 – gesamt CHF 400-500/Monat.

Wie steht Exoscale gegen AWS Zurich?

AWS Zürich ist eine US-Konzern-Region. CLOUD Act Anwendbarkeit besteht, eine US-Subpoena kann AWS US direkt zur Datenherausgabe zwingen, auch wenn die Daten in Zürich liegen. Exoscale Zürich ist eine Schweizer AG, der Vertragspartner sitzt in Lausanne. Eine US-Subpoena erreicht den Schweizer Vertragspartner nicht direkt. Für ein revDSG-konformes Setup ist Exoscale die klarer dokumentierbare Wahl. Preislich liegt Exoscale leicht unter AWS Zurich bei vergleichbarer Konfiguration, mit deutlich vorhersehbareren Egress-Kosten.

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Quellen

  1. Exoscale – Pricing (Compute, SKS, DBaaS, Object Storage) · 2026-05
  2. Exoscale – GPU instances with NVIDIA A100 in Switzerland · 2026-05
  3. Exoscale – Compliance, ISO 27001, FINMA outsourcing · 2026-04
  4. Exoscale – Regions overview (Zurich, Geneva, Vienna, Frankfurt, Sofia) · 2026-05

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