N8N · MAKE · ZAPIER · DUELL
n8n vs Make vs Zapier – was passt für Schweizer KMU?
Drei Workflow-Automatisierungs-Plattformen im Direktvergleich: Self-Hosting, Preis pro 1000 Runs, EU-Datenresidenz, AI-Nodes. Entscheidungshilfe für Treuhand, Anwalt und KMU.
Recherche & Faktencheck: DuneDive LLC · Stand: 2026-05
Worum es geht
n8n, Make (früher Integromat) und Zapier sind die drei meistgenutzten Workflow-Automatisierungs-Plattformen im DACH-Raum. Alle drei verfolgen das gleiche Ziel: Geschäftsprozesse ohne Programmieraufwand zwischen SaaS-Tools, Datenbanken, APIs und neuerdings auch LLM-Endpoints orchestrieren. Trotz gleichem Versprechen unterscheiden sie sich fundamental in Lizenzmodell, Hosting-Optionen, Abrechnungseinheit und Eignung für regulierte Schweizer Mandate.
n8n ist ein in Berlin entwickeltes Open-Source-Tool (Fair-Code-Lizenz). Self-hosting ist offiziell unterstützt, Cloud-Variante optional. Make ist ein tschechisches SaaS-Produkt, ausschliesslich gehostet, mit visuell ansprechender Scenario-Oberfläche und Operations-basiertem Pricing. Zapier ist der US-Marktführer seit 2011, Cloud-only, mit über 7000 App-Integrationen und Task-basierter Abrechnung. Mai 2026 ist das Bild klar: n8n hat AI-Nodes nativ integriert, Make hat seine "Operations"-Abrechnung weiter verfeinert, Zapier bleibt der teuerste aber kompatibelste Anbieter.
Warum dieser Vergleich?
Ein Schweizer Treuhandbüro, eine Anwaltskanzlei oder eine Versicherungs-Agentur stellt sich nicht die Frage "ob" Automation, sondern "welche Plattform". Die Wahl entscheidet über drei harte Folgen.
Erstens Datenschutz. n8n self-hosted kann auf Hetzner Falkenstein oder Exoscale Zürich laufen – Mandantendaten verlassen die EU/CH nie. Make hostet in Prag (EU), aber jeder Datenfluss durchquert Make-Server. Zapier hostet in den USA mit Standard-Vertragsklauseln; für Daten unter Berufsgeheimnis (StGB Art. 321) ist das für viele Kanzleien ein No-Go.
Zweitens Preisstruktur. Bei 50 Mandanten und 4 Workflow-Läufen pro Mandant und Monat (200 Runs) zahlt eine Schweizer Treuhand ungefähr: n8n self-hosted CHF 0 (nur Server), n8n Cloud Starter EUR 24, Make Core ab USD 10.59 für 10000 Operations, Zapier Professional USD 73.50 für 2000 Tasks. Der Unterschied multipliziert sich bei Wachstum.
Drittens Lock-in. Workflows aus Make oder Zapier lassen sich nicht 1:1 exportieren. Ein Wechsel zu n8n bedeutet Re-Implementation. Wer mit n8n startet, kann jederzeit zwischen Cloud und Self-Host wechseln – gleiche JSON-Workflow-Definition.
Dieser Vergleich gibt Schweizer KMU eine klare Empfehlung pro Geschäfts-Typ statt einer "es kommt darauf an"-Antwort.
Head-to-Head auf 6 Achsen
Datenschutz / DSG-Kompatibilität. n8n self-hosted gewinnt klar: kein Drittland-Transfer, eigener Server, eigenes Logging. n8n Cloud hostet in Frankfurt (EU). Make hostet in Prag (EU), bietet AVV nach DSGVO. Zapier hostet primär in den USA, AVV mit Standardvertragsklauseln und Transfer-Impact-Assessment nötig.
Preis pro 1000 Runs (Mai 2026). n8n Self-host: ca. CHF 0.01 (nur Strom + anteilige Server-Kosten). n8n Cloud Starter EUR 24/Monat für 2500 Executions = EUR 9.60 / 1000 Runs. Make Core USD 10.59/Monat für 10000 Operations – aber Achtung, eine "Operation" ist ein einzelner Schritt, nicht ein Workflow-Lauf, real ca. USD 1.06 pro 1000 Runs bei 10-Schritt-Szenarien. Zapier Professional USD 73.50/Monat für 2000 Tasks = USD 36.75 / 1000 Tasks (Task = ein Step). Bei einem 10-Schritt-Workflow ist Zapier 30 mal teurer als Make.
Reife / App-Integrationen. Zapier führt mit 7000+ Apps, deckt jedes Nischen-Tool ab. Make hat ca. 1500+ Apps, sehr gut für Marketing-Stack. n8n hat 600+ offizielle Nodes, dazu HTTP-Node + Code-Node für alles andere; die AI-Nodes (OpenAI, Anthropic, Mistral, Ollama, LangChain) sind reicher als bei Make oder Zapier.
Lock-in. n8n: Workflows als JSON exportierbar, kann komplett selbst gehostet werden, Source ist offen (Fair-Code-Lizenz). Make: kein Export ausserhalb der Plattform; Replikation auf anderem Tool = Neubau. Zapier: gleich, plus US-Vendor-Risiko nach FISA 702.
Self-Host-Fähigkeit. n8n: ja, offiziell, Docker-Compose oder Kubernetes, ein Tag Aufwand. Make: nein. Zapier: nein. Wer für FINMA-nahe oder Anwalts-Workflows Self-Host braucht, hat nur n8n als Option.
DACH-Tauglichkeit. n8n: deutschsprachiges Forum, Berliner Firma, DSGVO-by-design. Make: Tschechisch/Englisch, gute DACH-Adoption im Marketing-Bereich. Zapier: rein englisch, US-Mindset; Support DE nur Premium.
Entscheidungsweg in 6 Schritten
- 01Daten-Klassifikation. Sind Mandanten-, Patienten- oder Personaldaten involviert? Wenn ja, Pflichtkandidat n8n self-hosted. Wenn nein, weiter.
- 02Volumen schätzen. Workflow-Läufe pro Monat zählen, multipliziert mit Schritten pro Lauf. Unter 100 Runs/Monat: Zapier oder Make. Über 1000 Runs: n8n.
- 03Hosting-Fähigkeit prüfen. Gibt es einen Sysadmin oder Dienstleister für Docker/Linux? Wenn nein, n8n Cloud (EU) oder Make.
- 04App-Bibliothek matchen. Liste der nötigen Integrationen aufstellen und gegen n8n-Nodes, Make-Apps und Zapier-Zaps abgleichen. Bei einer fehlenden Standard-App: prüfen, ob HTTP-Node + API-Call reicht.
- 05Kosten-Modell auf 12 Monate hochrechnen. Bei n8n self-host nur Server-Kosten; bei Cloud-Anbietern den Tier mit 20 Prozent Puffer wählen.
- 06Pilot bauen. Einen produktiven Workflow auf dem favorisierten Tool umsetzen, 2-4 Wochen messen, dann skalieren.
Wann welche Plattform
Wann n8n. Sie sind Treuhand, Anwalt, Arzt oder Versicherung. Sie verarbeiten Mandanten- oder Patientendaten. Sie wollen Self-Host auf Hetzner oder Exoscale. Sie bauen LLM-gestützte Workflows (Belegerkennung, Email-Triage, Mandanten-Onboarding) und wollen kein Lock-in. Sie haben einmal einen Sysadmin oder Dienstleister, der Docker Compose verstehen kann. n8n self-hosted ist die Standardwahl für regulierte Schweizer KMU.
Wann Make. Sie sind Marketing-Agentur, E-Commerce-Shop oder Operations-Team mit primärer Toolchain in HubSpot, Klaviyo, Shopify oder Notion. Sie wollen schnellen Einstieg ohne Server. Sie haben keine Daten unter Berufsgeheimnis. Ihre Workflows haben viele Schritte, aber das Volumen ist mittel (10k bis 100k Operations/Monat). Make hat den besten Preis pro Schritt in dieser Volumen-Klasse und das schönste UI.
Wann Zapier. Sie brauchen genau eine sehr exotische Integration, die nur Zapier abdeckt (Beispiel: Quickbooks Desktop, alte Salesforce-Custom-Objects, Nischen-CRM). Ihr Volumen ist unter 100 Tasks pro Monat. Sie haben kein Hosting-Knowhow. Die User-Experience muss "ein-Klick-fertig" sein und der Preis ist sekundär. Für alles andere ist Zapier 2026 zu teuer.
Wann KEINES. Wenn Ihr Workflow tausende von Schritten pro Lauf braucht oder Sub-Sekunden-Latenz erfordert, ist keiner der drei ideal – dann Python-Service auf eigener Infrastruktur. Wenn Ihre Mandantendaten unter FINMA-Aufsicht stehen und absolute Tier-A-Souveränität nötig ist, kann auch n8n self-hosted nur ein Baustein sein – die Compliance liegt am Setup, nicht am Tool.
Wann KEINE der drei
Wenn Sie nur ein bis zwei Workflows mit jeweils zwei Schritten brauchen ("E-Mail rein, in Sheet eintragen"), ist ein 5-Zeilen-Python-Skript günstiger und stabiler. Wenn Sie Multi-Step-LLM-Agenten mit Memory und Tool-Use bauen, sind LangChain oder LlamaIndex die richtigere Wahl – die drei Workflow-Tools haben zwar AI-Nodes, aber kein echtes Agenten-Framework. Wenn Sie Realtime-Latenz unter 200 ms brauchen (zum Beispiel Voice-Agents), sind alle drei zu langsam – dann direkter Server mit Webhooks.
Zusätzlich: wenn Sie schon eine etablierte ESB-Lösung haben (Mulesoft, IBM ACE), bringt ein Workflow-Tool nur Komplexität. Wenn Sie nur Daten zwischen zwei Postgres-Datenbanken synchronisieren wollen, ist eine reine ETL-Lösung (Airbyte, dbt) passender. Wenn Ihre Compliance-Vorgabe absolute Daten-Souveränität auch im Logging fordert (sicherheitsgeprüfte Branchen), brauchen Sie eine Lösung, deren komplette Audit-Trail-Pipeline Sie kontrollieren – auch da reicht selbst n8n self-host nicht ohne zusätzliche Loki/Grafana-Konfiguration.
Vor- und Nachteile
STÄRKEN
- Direkter Drei-Tool-Vergleich verkürzt die Entscheidungsphase im Audit
- Klare Empfehlung pro Geschäftstyp statt offener Auswahl
- Preis-pro-1000-Runs-Achse macht versteckte Kostenfallen sichtbar
- Self-Host- und EU-Hosting-Optionen explizit gegenübergestellt
SCHWÄCHEN
- Drei-Tool-Duelle sind eine Momentaufnahme – Preise und App-Listen ändern sich quartalsweise
- Vergleichbarkeit Operation vs Task vs Execution ist nicht 1:1, Faustregeln nötig
- Spezialfälle (sehr exotische Integrationen) werden nicht abgedeckt
- Eigene Server-Kosten bei n8n self-host sind nicht im Vergleich enthalten
Häufige Fragen
Kann n8n self-host wirklich produktionsreif sein?
Ja. Mai 2026 betreiben mehrere Schweizer Treuhandbüros n8n auf Hetzner-Servern mit Postgres-Backend und Cron-Worker. Docker Compose, Backup täglich, Loki für Logs – Standardbetrieb. Aufwand für Setup: ein Tag, für Betrieb: 2 Stunden pro Monat.
Warum ist Zapier so viel teurer als Make?
Zapier rechnet pro Task (Schritt), Make pro Operation, aber Make-Operations sind etwa zehnmal billiger. Zapier hat zudem eine extrem breite App-Bibliothek (7000+), die teuer zu pflegen ist. Für einfache 2-Schritt-Workflows ist Zapier noch konkurrenzfähig; bei komplexen Workflows oder hohem Volumen verlieren Sie 70-90 Prozent gegenüber Make.
Welche Plattform ist beste Wahl für AI/LLM-Workflows?
n8n. Die LangChain-Integration in n8n 1.x ist deutlich tiefer als bei Make oder Zapier. Sie können Agenten mit Tool-Use, RAG über Qdrant und Multi-LLM-Routing in einer einzigen n8n-Pipeline bauen. Make und Zapier haben OpenAI-/Anthropic-Nodes, aber keine Agenten-Konstrukte.
Was ist mit Datenresidenz Schweiz?
Keine der drei Plattformen hostet ausschliesslich in der Schweiz. n8n self-hosted auf Exoscale Zürich oder Infomaniak ist die einzige Variante, die rein CH-Daten halten kann. n8n Cloud, Make und Zapier sind EU- (Frankfurt/Prag) bzw. US-basiert.
Verwandte Themen
Quellen
- n8n.io – Cloud and self-host pricing · 2026-05
- Make.com – Pricing plans · 2026-05
- Zapier – Plans and pricing · 2026-05
- Toolradar – Zapier vs Make vs n8n cost analysis 2026 · 2026-04
- n8n docs – Self-hosting and Docker Compose · 2026-05
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